Warum Bečići und Sveti Stefan einen eigenen Reiseführer verdienen
Die meisten Erstbesucher Montenegros quartieren sich in Budva ein und verbringen ihre Strandtage an Mogren oder Jaz. Das ist eine gute Wahl – aber sie lässt zwei der lohnendsten Küstenabschnitte der Riviera ungenutzt, die nur eine kurze Fahrt südlich liegen. Bečići und Sveti Stefan liegen rund 6 bzw. 9 km von Budva entfernt, und ihre Kombination aus klarem Wasser, gepflegtem Kiesel und echtem Charakter macht sie für einen eigenen Tagesausflug – oder als bewusst gewählte Unterkunftsbasis – absolut empfehlenswert.
Bečići: der längste Strand der Riviera
Bečići erstreckt sich auf rund zwei Kilometer und ist damit der längste zusammenhängende Kiesstrand der montenegrinischen Küste. Die Küstenlinie ist nach Südwesten ausgerichtet, fängt nachmittägliche Sonne gut ein und ist meist vor dem nördlichen Bora-Wind geschützt. Die Wasserklarheit ist durchgehend gut: Der Kiesboden fällt sanft ab, sodass das Hineinwaten angenehm ist – ein Paar Badeschuhe erleichtert die ersten Schritte jedoch.
Der Strand gliedert sich in einen öffentlichen Bereich und mehrere private Beach-Bar-Konzessionen. Im öffentlichen Bereich legt man sein eigenes Handtuch kostenlos aus. In den privaten Abschnitten kosten Sonnenliegen etwa EUR 5–12 pro Tag für eine einzelne Liege, ein Set (zwei Liegen plus Sonnenschirm) meist EUR 15–25. Die Preise steigen zur Mitte des Strandes hin und in der Hochsaison im Juli und August; wer vor 9:00 Uhr kommt, sichert sich in der Hochsaison eine bessere Position und manchmal einen günstigeren Frühbucher-Tarif.
Essen und Trinken sind entlang von Bečići wirklich gut. Die meisten Beach-Bars grillen frischen Fisch und servieren kalte Getränke; ein Teller gegrillter Wolfsbarsch oder eine gemischte Meeresfrüchteplatte kostet pro Person rund EUR 15–25. Die Atmosphäre erreicht ihren Höhepunkt am späten Nachmittag, wenn das Licht golden wird und DJs in den lebhafteren Bars ihre Abendsets einläuten.
Anreise nach Bečići
Von Budva aus ist die Küstenstraße die einfachste Option – ein Taxi braucht etwa zehn Minuten und kostet nur wenige Euro. In der Hochsaison verkehrt ein Shuttle-Minibus zwischen dem Busbahnhof Budva und Bečići. Wer vom Flughafen Tivat (dem nächstgelegenen Flughafen, rund 20 km entfernt) oder aus Podgorica (etwa 65 km) anreist, findet eine unkomplizierte Strecke vor; Parkplätze gibt es auf dem Hügel oberhalb des Strandes, die jedoch im Juli und August nach 10:00 Uhr schnell belegt sind.
Sveti Stefan: die Insel als Kulisse
Vier Kilometer südlich von Bečići liegt eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der gesamten Adriaküste. Sveti Stefan ist eine kleine befestigte Insel, die durch einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden ist; seit 2009 wird die Insel selbst als Luxushotel betrieben. Der öffentliche Strand liegt auf beiden Seiten des Damms – zwei kleinere Buchten aus grobem Kiesel, die zusammen intimer und dörflicher wirken als der breite Bogen von Bečići.
Allein wegen des Anblicks lohnt sich ein Besuch in Sveti Stefan. Die ziegelroten Dächer der Inselbauten ragen direkt aus dem Wasser, und der Blick vom Strand zurück über den Damm ist der, den man von unzähligen Reiseplakaten kennt. Sonnenaufgang und spätnachmittägliches Licht sind gleichermaßen spektakulär; wer früh aufbrechen kann, findet ruhigeres Wasser und einen nahezu leeren Strand.
Liegenpreise in den privaten Bereichen rund um Sveti Stefan tendieren zum oberen Ende der Riviera-Preisspanne – mit EUR 10–15 für eine Liege und EUR 40–80 oder mehr für einen Baldachin oder eine Cabana mit Vollschatten und Tischservice muss man rechnen. Es gibt jedoch auch öffentliche Strandabschnitte ohne Gebühr. Das Meer ist hier eines der klarsten der Küste, was zum Teil daran liegt, dass die Bucht vergleichsweise flach ist und der Kiesboden kaum aufgewirbelt wird.
Wann reisen: Saison und Bedingungen
Die Badesaison läuft von Mitte Juni bis Ende September. Die Wassertemperatur erreicht im August rund 25–26 °C – dem wärmsten und zugleich belebtesten Monat. Juni und September bieten einen reizvollen Kompromiss: Das Wasser ist kühler (rund 22–23 °C im Juni, Ende September noch sehr angenehm), aber die Strände sind deutlich ruhiger, Liegenpreise fallen oft niedriger aus, und das Licht für Fotos ist weicher. Wer einen entspannten Strandtag mehr schätzt als Partyatmosphäre, liegt Anfang Juni oder in den ersten zwei Septemberwochen goldrichtig.
Juli und August bringen das volle Hochsaison-Erlebnis: DJs, Cocktailkarten, organisierte Wassersportangebote und erhebliches Gedränge ab Mittag. Wer in der Hochsaison garantierten Schatten an einem beliebten Sveti-Stefan-Betreiber möchte, sollte einen Baldachin einen Tag im Voraus reservieren.
Praktische Tipps
Badeschuhe lohnen sich für beide Strände – der Kies ist gerundet und im Wasser angenehm, aber der Einstieg kann rutschig sein. Die meisten Beach-Bars verleihen sie für ein oder zwei Euro, falls man sie vergessen hat.
Taxis zwischen Bečići und Sveti Stefan sind günstig und fahren den ganzen Tag. Den Preis vorher vereinbaren oder ein Taxameter-Cab eines seriösen Unternehmens nutzen. Die Küstenstraße ist malerisch genug, sodass die kurze Fahrt selbst zum Erlebnis wird.
Beide Strände an einem einzigen Tag zu kombinieren ist völlig problemlos. Den Vormittag in Sveti Stefan verbringen – ruhiger, kühler, wunderschön für Fotos – und nachmittags nach Bečići wechseln, wo mehr Auswahl an Beach-Bars und eine lebhaftere Atmosphäre warten. Die Fahrt zwischen beiden dauert keine zehn Minuten.
Beide Orte haben Hotels und Ferienwohnungen für alle Budgets. Wer in Bečići übernachtet, ist zu Fuß von Budva entfernt und hat bequemen Zugang zu beiden Stränden – ganz ohne Auto. Eine bessere Lage auf diesem Küstenabschnitt lässt sich kaum finden.
Fazit
Bečići und Sveti Stefan decken die beiden Enden des Riviera-Tages ab – der eine lang, gesellig und lebendig; der andere intim, landschaftlich außergewöhnlich und ideal für ein langsameres Tempo. Keiner erfordert ein teures Pauschalangebot oder ein hohes Budget, und beide sind von Budva in wenigen Minuten erreichbar. Sie sind die am meisten unterschätzten Anlaufpunkte an einer Küste, die ohnehin schon viel Konkurrenz hat.
