Ulcinj ist Montenegros südlichste Küstenstadt und wohl die eigenständigste: nahe der albanischen Grenze gelegen, geprägt durch osmanisches Erbe, eine albanischsprachige Bevölkerungsmehrheit und einige der schönsten Strände des Landes. Seine beiden Hauptstrände könnten kaum unterschiedlicher sein: Velika Plaža ist ein 13 Kilometer langer Riese, einer der längsten Sandstrände der Adria; Mala Plaža ist eine 350 Meter lange Bucht direkt unterhalb der Altstadtmauern. Die Wahl zwischen beiden hängt fast ausschließlich davon ab, welche Art von Strandtag man sich wünscht.
Sand und Meer
Beide Strände sind Sandstrände – eine Seltenheit an der montenegrinischen Küste, die sonst eher steinig ist – doch der Sand ist nicht gleich. Der Sand der Velika Plaža ist fein, dunkelgolden und mineralreich, gespeist vom Delta des Bojana-Flusses. Er ist fest unter den Füßen und erstreckt sich in beide Richtungen mit der hypnotischen Gleichmäßigkeit eines nordafrikanischen Strandes. Das Wasser ist weit hinaus seicht, wärmt sich bis Juli schnell auf, und die sanfte Südausrichtung sorgt für eine kleine, aber beständige Brandung – ideal für Kite- und Windsurfer.
Der Sand der Mala Plaža ist gröber, nahe der Wasserlinie mit Kies durchmischt, und der Meeresgrund fällt etwas steiler ab – nach wenigen Schwimmzügen ist man bereits in tieferem Wasser. Das Wasser nimmt ein tiefes, fotogenes Türkis an, wunderschön gerahmt von den felsigen Landzungen auf beiden Seiten. Die unmittelbar über dem Strand aufragende Altstadt verleiht der Szenerie eine visuelle Dramatik, die der offenen, flachen Velika Plaža schlicht fehlt.
Atmosphäre und Besucherandrang
Die Länge der Velika Plaža ist ihr prägendes soziales Merkmal. Im August, wenn die Mala Plaža bis auf den letzten Platz besetzt ist, kann man auf der Velika Plaža zehn Minuten vom nächsten Strandlokal entfernt noch fast menschenleeren Sand finden. Sie zieht auch ein anderes Publikum an: Kitesurfer am südlichen Ende nahe Ada Bojana, Naturisten in der ausgewiesenen Nordzone sowie große Familiengruppen, die für eine ganze Woche halbe Lager aufschlagen. Sie wirkt weitläufig, ungehetzt und ein wenig ursprünglich.
Die Mala Plaža ist in jeder Hinsicht ein Stadtstand – leicht erreichbar, lebhaft und gesellig. Die dahinterliegende Promenade reiht Cafés, Eisdielen, Fischrestaurants und jene typisch balkanische Strandenergie aneinander, bei der Musik in hörbarer Lautstärke und Jetskis vor der Schwimmzone zur Grundausstattung gehören. Das Publikum ist jung, international – zumindest im Balkaner Rahmen – und die Nähe zur sehenswerten Altstadt von Ulcinj macht Strand und Abendessen zu einem Fünf-Minuten-Spaziergang.
Einrichtungen und Strandlokale
Bei der Infrastruktur hat die Mala Plaža klar die Nase vorn: Liegenverleih, Wassersportvermietung, eine Reihe von Restaurants und eine Strandpromenade bieten auf 350 Metern das volle Urlaubsfeeling. Die Velika Plaža ist spärlicher ausgestattet – ein paar Konoben, vereinzelte Liegenabschnitte nahe den Zufahrtsstraßen und ein Wassersportzentrum am Ada-Bojana-Ende, doch dazwischen liegen lange Strecken, auf denen es gar nichts gibt. Für die entfernteren Abschnitte der Velika Plaža braucht man von Ulcinj aus ein Auto – oder sehr gute Beine.
Für wen welcher Strand geeignet ist
Die Velika Plaža ist die klare Wahl für alle, die Menschenmassen hassen, für Wassersportbegeisterte, Naturisten und alle, die einen Strand erleben möchten, der buchstäblich am Horizont endet. Sie belohnt Frühaufsteher und Menschen, die gerne für sich selbst sorgen.
Die Mala Plaža ist ideal für Reisende, die den Strand als Teil eines breiteren Stadterlebnisses verstehen – Morgenschwimmen, Kaffee auf der Promenade, Gelato am Nachmittag, Abendessen in der Altstadt. Sie ist besser geeignet für Alleinreisende, Paare und alle, die nach Ulcinj nicht nur wegen des Meeres, sondern auch wegen des Essens und Nachtlebens gekommen sind.

