Die Bucht verstehen
Boka Kotorska — die Bucht von Kotor — ist der südlichste Fjord Europas, ein versunkenes Flusstal, das sich 30 Kilometer von der Adria ins Landesinnere erstreckt. Sie besteht eigentlich aus zwei miteinander verbundenen Buchten: der äußeren Bucht von Herceg Novi und der inneren Bucht von Kotor, die durch eine enge Passage bei Kamenari miteinander verbunden sind. Das Wasser ist tief, ruhig und klar. Was der Bucht an langen Sandstränden fehlt, macht sie durch dramatische Kalksteinklippen, venezianische Städtchen auf Hügeln und eine Badeatmosphäre wett, die sich im Vergleich zur offenen Küste geradezu beschützt und abgeschlossen anfühlt.
Kotor und seine Uferpromenade
Kotors Altstadt ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, vollständig von mittelalterlichen Mauern umgeben. Die unmittelbare Uferzone ist eher eine Steinpromenade als ein Strand; geschwommen wird in der Nähe der Stadt meist von Beton- und Felsplattformen entlang des Nordgestades der inneren Bucht, im Stadtteil Dobrota, ein bis zwei Kilometer nördlich der alten Stadtmauern. Auf terrassierten Plattformen betreiben dort mehrere kleine Strandbars — weniger Strandclub-Betrieb, eher Aperitivo-Kultur: ein Glas lokalen Wein, ein Teller Prosciutto, die Füße über dem Wasser baumeln lassen.
Die öffentliche Badeplattform bei Šuranj, etwa 2 Kilometer südlich der alten Stadtmauern auf der Straße nach Tivat, ist die einfachste kostenlose Option für Besucher, die in Kotor übernachten.
Dobrota
Wer von Kotor aus dem Buchtgestade nordwärts durch das Straßendorf Dobrota folgt, findet dort das entspannteste Baden der ganzen Bucht. Steinerne Anlegestege, kleine Strände und umgebaute Bootshäuser — einige nun als Restaurantbars in Betrieb — säumen hier Kilometer um Kilometer des Ufers. Die Restaurants in Dobrota (Konoba Galion und Stari Mlini sind die alteingesessenen Namen) sind allein schon Grund genug zum Kommen; gegrillten Fisch mit der Bucht und dem Vrmac-Gebirge im Rücken zu genießen ist ein Kotor-Erlebnis, das die meisten Strandbesuche weit übertrifft.
Perast und Gospa od Škrpjela
Perast ist das schönste Dorf der gesamten Bucht — ein barockes Ensemble aus Palästen und Türmen auf einem schmalen Küstenstreifen, mit zwei vorgelagerten Inseln. Die größere Insel beherbergt die Kirche Gospa od Škrpjela (Unsere Liebe Frau vom Felsen); lokale Bootstaxis fahren für ein paar Euro dorthin. Keine der beiden Inseln besitzt einen eigentlichen Strand, doch die Bootsfahrt bietet einen Blick auf die Bucht, den man kaum überbieten kann. Vom Uferbereich bei Perast ins Wasser zu springen ist durchaus angenehm; im Sommer ist in dem Dorf ein kleines Cluster aus Strandbars in Betrieb.
Lepetane, Kamenari und das Nordufer
Bei Lepetane überquert eine Autofähre die Enge nach Kamenari — eine der nützlichsten Abkürzungen Montenegros, wenn man Richtung Herceg Novi unterwegs ist. Knapp nördlich des Fährterminals tauchen versteckte Strände auf, sobald man der Straße Richtung Risan folgt: klein, oft menschenleer, erreichbar durch kurzes Klettern von der Straße hinunter. Das Wasser ist hier auffallend ruhig. Diese Orte werden von Einheimischen, die sie kennen, sehr geschätzt und von Touristen weitgehend ignoriert.
Risan selbst, am tiefsten Punkt der Bucht gelegen, hat einen kleinen Kiesstrand und einige der preiswertesten Fischrestaurants der gesamten Küste.
Stoliv, Prčanj und das Südufer
Das Südufer der inneren Bucht — zwischen Kotor und Tivat — führt durch Prčanj und Stoliv, wo man von Steinplattformen aus schwimmen kann und gelegentlich kleine Strände antrifft. Prčanjs Geburtskirche ist von der anderen Seite der Bucht aus zu sehen; hier verläuft ein schattiger Küstenpfad, der sich hervorragend für einen frühmorgendlichen Spaziergang vor der Tageshitze eignet. Stoliv verfügt über kaum touristische Infrastruktur — genau das ist sein Reiz.
Bucht oder offene Küste: Was Sie erwartet
Das Wasser in der Bucht ist in der Vor- und Nachsaison typischerweise 1–2 °C wärmer als in der offenen Adria, da die geschlossene Topografie Wärme speichert. Es gibt nahezu keinen Wellengang — ideal für unsichere Schwimmer und kleine Kinder. Das Fehlen von Brandung lässt das Wasser seidenartig und besonders klar erscheinen. Was man hier nicht findet, ist die Energie von Budva oder Ulcinj: Die Bucht ist für Menschen, die eine ruhigere, beschaulichere Adriavariante wählen. Kommen Sie für die Landschaft, das Essen und die alten Steine, die sich im stillen Wasser spiegeln.
