Was Ulcinj besonders macht
Die meisten Montenegro-Besucher zieht es nach Budva oder Kotor – Ulcinj, 100 Kilometer weiter südlich, direkt an der albanischen Grenze, wird häufig übersehen. Das ist ein Fehler. Die Stadt thront auf einem felsigen Vorgebirge mit einer mittelalterlichen venezianischen Altstadt, und darunter entfaltet sich die Küste in eine Abfolge von Stränden, die nach Süden hin immer wilder und länger werden. Auch das Licht ist hier anders: leicht dunstig, goldener, eher ägäisch als das polierte Adriatikglitzern der Budva-Riviera.
Mala Plaža (Kleiner Strand)
Direkt unterhalb der Altstadtmauern liegt Mala Plaža, Ulcinjs stimmungsvollster Ort. Der Strand selbst ist schmal – an der breitesten Stelle vielleicht 30 Meter – und wird von einer Promenade mit Cafés und kleinen Strandlokalen gesäumt, die starken Kaffee, Rakija und frisch gepressten Saft servieren. Im Juli und August füllt er sich schnell, doch das Panorama der abendlich beleuchteten Festung macht ihn unverzichtbar. Mehrere Anbieter vor Ort vermieten Liegestühle und Sonnenschirme; in der Hochsaison ist mit €5–8 pro Stück zu rechnen. Das Wasser ist ruhig und klar genug, um den Grund zu sehen.
Liman Beach und der Hotelstreifen
Nördlich der Altstadt erstreckt sich Liman Beach am Hotel Albatros und einer Reihe von Sowjet-Ära-Ferienblöcken entlang, die nach und nach zu etwas Zeitgemäßerem umgebaut werden. Die Strandbars hier – Horizon, Captain's und einige weitere – sind gut ausgestattet: vollständige Küchen, Cocktailkarten, DJ-Sets ab etwa 18 Uhr im Sommer. Die Liegestuhlmiete ist meist im Mindestkonsum für Essen und Getränke inbegriffen (in der Regel €10–15 pro Person), was durchaus ein fairer Preis ist, wenn man dort ohnehin zu Mittag isst.
Velika Plaža: das Hauptereignis
Mit 13 Kilometern ist Velika Plaža (Großer Strand) der längste Strand an der Adria. Er beginnt südlich der Mündung des Flusses Bojana und reicht bis zur Mündung des Flusses Ana – ein durchgehender Streifen aus feinem, dunkelgoldenem Sand, hinter dem sich niedrige Dünen und zunehmend eigens errichtete Beachclubs erstrecken. Der nördliche Abschnitt ist stärker bebaut; Orte wie Copacabana Beach Bar und Maxx Beach bieten alles von Wasserski bis hin zu Abendveranstaltungen. Im Süden wird es fast menschenleer; Familien und Paare, die Platz für sich allein suchen, zieht es dorthin – oft ohne für irgendetwas zu bezahlen.
Der Sand hier ist merklich feiner als die grobkörnigen oder kiesigen Strände weiter nördlich. Flacher Einstieg und sehr sanfter Wellengang machen ihn ideal für Kinder. Unseren ausführlichen Bericht über Velika Plaža mit einer vollständigen Strandbar-Übersicht findest du separat.
Ada Bojana
Am südlichen Ende von Velika Plaža teilt sich der Fluss Bojana um eine kleine dreieckige Insel und bildet Ada Bojana. Es ist der entspannteste Strandabschnitt ganz Montenegros – auf einem Teil der Insel offiziell ein FKK-Bereich, wenngleich die Textilbereiche größer sind und niemand streng auf Einhaltung achtet. Eine Handvoll Fischerrestaurants (riblji restoran) ist das ganze Jahr über in Betrieb und serviert am Morgen gefangenen Wolfsbarsch, Meeräsche und Flussaal. Die Ada-Bojana-Hotelanlage bietet Bungalow-Unterkünfte für alle, die hier übernachten möchten. Die Anreise erfordert entweder die Fahrt über Velika Plaža (ein Sandweg – kein Allradantrieb nötig, aber empfehlenswert) oder die kleine Fähre von der Nordspitze der Insel.
Essen und Trinken
Ulcinj hat eine bedeutende albanische Bevölkerung, und das schlägt sich in der Küche nieder: mehr Lamm, mehr Börek, mehr türkischer Kaffee und Grillgerichte neben den montenegrinischen Meeresfrüchte-Klassikern. An der Promenade nahe Mala Plaža findet man Lokale, die den Ulcinjer Grillfish servieren – ganzen Branzino oder Dorade über Holzkohle, dazu Blitva (Mangold mit Kartoffeln) und eine Karaffe lokalen Weißweins. Die albanischen Konobas (Tavernen) sind in der Regel günstiger als ihre Budvaer Pendants – bei gleicher oder besserer Qualität.
Strandbar-Getränke kosten €3–5 für ein einheimisches Bier, €6–10 für Cocktails. Frisch gepresster Granatapfelsaft ist eine Ulcinjer Spezialität und kostet etwa €3–4.
Praktische Tipps
Ulcinj liegt etwa 30 Fahrminuten südlich von Bar auf einer Küstenstraße, auf der man gelegentlich hinter Lastwagen Geduld aufbringen muss. Die Stadt selbst lässt sich gut zu Fuß erkunden; für Velika Plaža braucht man ein Auto, einen Roller oder den lokalen Minibus, der im Juli und August vom Hauptplatz aus fährt. Parken am Strandstreifen ist möglich, aber in der Hochsaison chaotisch – früh oder spät hinfahren ist ratsam. Den größten Andrang gibt es Ende Juli und in den ersten zwei Augustwochen, wenn die Stadt mit Besuchern aus Serbien, dem Kosovo und Albanien gefüllt ist. Die Nebensaison – Ende Mai bis Mitte Juni und September – bietet die beste Kombination aus warmem Wasser, überschaubarem Besucherandrang und vollem Bar- und Restaurantbetrieb.
