Das geologische Problem
Montenegros Küste besteht fast ausschließlich aus Kalkstein-Karst – demselben Gestein, das die dramatischen Klippen und Meereshöhlen formt, die die Landschaft so eindrucksvoll machen, das aber zu Fels und grobem Kies verwittert und keinen feinen Sand bildet. Was an vielen montenegrinischen Stränden als „Sand“ gilt, ist in Wirklichkeit feiner Kies: ohne Wasserschuhe unangenehm unter den Füßen und nicht das, was die meisten Urlauber bei einer Strandreise erwarten. Tatsächlich sandige Strände gibt es in Montenegro nur vereinzelt – sie entstehen entweder an Flussmündungen (wo Sediment abgelagert wird) oder in geschützten Buchten, wo das Wellenspiel im Laufe von Jahrhunderten den Kies zu einer feineren Körnung zermahlen hat.
Velika Plaža, Ulcinj: der Maßstab
Über die Frage, welcher Strand in Montenegro den besten Sand hat, herrscht kein ernsthafter Dissens. Die 13 Kilometer der Velika Plaža bestehen aus feinem, dunkelgoldenem Sand, der über Jahrhunderte an der Mündung des Flusses Bojana abgelagert und durch die vorherrschende Süddünung verfeinert wurde. Man kann ihn in seiner gesamten Länge barfuß entlanglaufen. Der Sand ist fest genug, um Stühle und Sonnenschirme aufzustellen, ohne einzusinken, aber fein genug, um durch die Finger zu rieseln. Wenn die Sandqualität der entscheidende Faktor für Ihre Küstenreise ist, ist die Velika Plaža das Ziel.
Jaz Beach, Riviera Budva
Der Jaz Beach ist deutlich sandiger als die meisten anderen Strände im Raum Budva – der mittlere Abschnitt weist eine echte Sand-Kies-Mischung auf, die sich ohne Schuhe angenehm unter den Füßen anfühlt. Der nördliche Teil des Jaz ist sandiger als das südliche Ende. Er ist nicht mit der Velika Plaža zu vergleichen, aber im Raum Budva ist er die beste Wahl für Sandliebhaber. Frühmorgens, bevor die Massen kommen, strahlt der Jaz eine angenehme, weitläufige Ruhe aus.
Bečići, Riviera Budva
Bečići wird im Marketing als einer der sandigeren Strände der Region beworben – und im Vergleich zu reinen Kiesstränden wie dem Mogren oder dem Altstadtstrand stimmt das auch. Das Sand-Kies-Verhältnis variiert je nach Abschnitt und verändert sich von Saison zu Saison, abhängig von den winterlichen Sturmmustern. Das nördliche Ende ist in der Regel feiner; das südliche Ende (Rafailovići) ist gröber. Wasserschuhe sind weiterhin empfehlenswert für die Abschnitte näher am Wasser, wo der Wellengang Kies ablagert.
Ada Bojana, Ulcinj
Der Inselstrand von Ada Bojana – eine 3 Kilometer lange Sandschleife um die dreieckige Insel – besitzt Sand von vergleichbarer Qualität wie die Velika Plaža. Er profitiert von derselben flusssedimentären Geologie. Da es sich um eine Insel mit beschränktem Fahrzeugzugang handelt, ist sie immer weniger überfüllt als der Hauptstrand. Die flussseitigen Strände (mit Blick auf den Bojana-Kanal statt auf das offene Meer) sind geschützt, warm und bemerkenswert friedvoll.
Wie sieht es mit den Stränden in der Bucht von Kotor aus?
Die Strände der Bucht bestehen fast ausschließlich aus Kies oder Fels. Die geschlossene Geografie und die Kalksteingeologie lassen keine nennenswerten Sedimentablagerungen entstehen. Vereinzelt wurde Sand importiert – Tivats Ponta Beach Club hat künstlichen Sand aufgefüllt –, doch dabei handelt es sich um bewirtschaftete Privatstrände. Wer Sandstrand sucht, ist in der Bucht falsch; wer für Landschaft und gutes Essen kommt, richtig.
Praktische Tipps für Kiesstrände
Wasserschuhe (Aqua-Schuhe, 5–15 € in jedem lokalen Sportgeschäft oder Strandmarkt) verwandeln das Erlebnis an einem Kiesstrand grundlegend. Sie ermöglichen schmerzfreies Ein- und Austreten ins Wasser und laden dazu ein, felsige Abschnitte zu erkunden, die sonst beschwerlich wären. Außerdem ist ein paar Zentimeter Kiesbett unter dem Handtuch fester und nach dem Planieren der Steine sogar bequemer zum Liegen als tiefer Sand – ein Trick, den Einheimische ganz selbstverständlich anwenden. Lassen Sie sich vom Kies nicht abschrecken: Die Wasserklarheit und -farbe an Montenegros Felsstränden kann schlicht atemberaubend sein.
